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Was ist eigentlich Slow Travel?

6 Fragen und Antworten zum nachhaltigen Reisetrend

1. Bedeutet Slow Travel "Reisen in Zeitlupe"?

Gibt es eigentlich eine klare Definition von Slow Travel? Nein! Selbst in Wikipedia gibt es bisher keinen eigenen Eintrag. Unter Entschleunigung wird der Begriff schließlich aufgeführt als

„bewusstes Reisen, Verzicht auf Pauschaltourismus und schnelle Fortbewegungsmittel“. 

Um was geht es also genau? Bei Slow Travel geht es darum, möglichst vollständig einzutauchen. In den Ort, in die Kultur, das Essen, die Sprache und in das Leben der Einheimischen. Es geht um die Erfahrung. Nicht darum, wie viele Städte auf einer Reise besucht oder wie viele Sehenswürdigkeiten auf der Liste abgehakt werden können. Und es geht darum, offen zu sein für Unerwartetes.

2. Was ist eigentlich die Philosophie hinter Slow Travel?

Die Philosophie hinter dem Konzept “Slow Travel” ist sehr ähnlich zu derjenigen der Slow Food-Bewegung, die in den 1980er Jahren in Italien begann. Der Auslöser zur Gründung von Slow Food war für Carlo Petrini  die Eröffnung einer McDonald’s-Filiale 1986 auf der Piazza Navona in Rom. Aus Protest organisierte er ein öffentliches Spaghetti-Essen an der spanischen Treppe. Die Bewegung hat mittlerweile Hunderttausende an Unterstützern auf der ganzen Welt. Sich Zeit nehmen, Verantwortung für die Ernährung übernehmen und der Genuss auf allen Ebenen stehen bei Slow Food im Mittelpunkt. Ähnlich ist es auch bei Slow Travel – Verantwortung übernehmen und gleichzeitig genießen.

3. Gibt es Tipps für den Start ins erste Slow Travel-Abenteuer?

Na klar! Das Gute zuerst: Du musst nicht weit reisen, ins Ausland gehen oder einen spektakulären Urlaub abwarten, um langsam zu reisen. Neue Orte lassen sich auch zu Hause erkunden:

  • hast du schon einmal einen Spaziergang in der eigenen Stadt unternommen? Vielleicht in einer Gegend, in der du noch nie warst? Oder dein Dorf mit Augen eines Touristen betrachtet? Was würde ein Tourist fotografieren? 
  • hast du schon einmal ein Museum an deinem Wohnort erkundet? Welches Museum ist ein überraschendes Highlight? 
  • hast du schon den besten Picknickplatz bei dir vor Ort gefunden? Nicht nur im Urlaub sind tolle Plätze – meist liegen sie direkt vor unserer Nase. 

Das Pfalzmuseum in Bad Dürkheim

(Quelle: www.bv-pfalz.de)

Wichtig ist, offen zu sein für spontane Dinge. Man weiß nie, wen man trifft oder was auf einen zukommt.

4. Was bringt dir Slow Travel?

Es gibt so viele positive Aspekte. Hier sind einige für deine Inspiration: 

Schaffe Erinnerungen Wenn man langsam reist, kann man sich wieder mit sich selbst, mit der Familie oder demjenigen verbinden, mit dem man zusammen die Reise genießt. Im Moment leben tritt in den Vordergrund. Im Alltag ist viel zu viel Ablenkung, aber im Urlaub, am Wochenende oder beim Tagesausflug ist das leichter möglich. Die magischen Momente sind es, die Erinnerungen aufbauen. Diese Momente kommen immer dann, wenn man nicht mit diesen rechnet!

Reduziere deinen Stress Langsamer reisen beseitigt den Stress und lässt einen offen werden für die Erlebnisse und Erinnerungen, die man sonst wahrscheinlich nicht gehabt hätte. Wie sähe ein perfekt erholsamer Tag aus? Ein Buch in Ruhe lesen? Am Strand spazieren? Den Sonnenuntergang beobachten? Unabhängig von der Aktivität ist es eine gute Gelegenheit, einen Tag zu verbringen an dem nichts anderes passiert als sich wirklich zu entspannen. Denn es gibt Reisen, die sich so hektisch anfühlen, dass man nach der Rückkehr den Eindruck hat, sofort wieder Urlaub zu brauchen, um sich zu erholen. Und das genau ist ja nicht das Ziel

Knüpfe Verbindungen Ein großer Vorteil im langsamen Reisen ist auch, dass man Leute kennenlernt. Ob das die Einheimischen oder die Mitreisenden sind. Kontakte zu Menschen knüpfen, Geschichten austauschen, sich beim Essen verbinden und aufrichtig kommunizieren, ist dabei drin, weil man völlig im Moment ist. Es sind die Erinnerungen an gemütliche Mahlzeiten mit wildfremden Menschen, die in uns verankert bleiben und nicht die abgehakte Liste mit Sehenswürdigkeiten.

Sammele kulturelle Erfahrungen Für diejenigen, die gerne neue Kulturen kennenlernen, ist dies eine nachhaltige Möglichkeit. Nicht inmitten von tausenden anderen Menschen zu stehen, um einen bestimmten Ort zu besuchen, ist ein wunderbares Gefühl. Zeit haben, auf Erkundungstour gehen und in vollen Zügen genießen. Hast du früh morgens schon einmal miterlebt wie ein Markt aufgebaut wird? Wie sich die Anbieter begrüßen, ihre Stände füllen und nach und nach die ersten Käufer kommen? Oder zu später Stunde ein Museum besucht, welches sich gerade für die letzten Besucher rüstet und eigentlich mit niemandem mehr rechnet? Die Mitarbeiter geben dann gerne Tipps zu den Highlights der Ausstellung und kommen manchmal sogar direkt mit.

Unterstütze die lokale Wirtschaft Wenn man sich langsamer an einem Ort bewegt, entdeckt man mehr. Kleine Geschäfte, Restaurants, Galerien, Buchläden – weit ab von Souvenirshops und multinationale Ketten. Mit dem Kauf von einheimischen Produkten unterstützt man die Wirtschaft vor Ort. Das Geld fließt direkt zurück und nicht auf halbem Weg in ein Mega-Unternehmen. Die Entscheidung, die Bevölkerung vor Ort zu unterstützen, ist eine große Hilfe für die Menschen und die bereiste Region. Und als angenehmer Nebeneffekt findet man dabei meist wieder völlig unerwartete Dinge. Dinge, die man noch nie gesehen hatte, lokale Bräuche, lokale Lebensmittel. Alles wundervolle Erinnerungsmaterialien!

5. Was ist Slow Travel nicht? 

Beim langsamen Reisen geht es nicht darum, dass keine beliebte Touristenattraktion besucht werden darf, sondern vielmehr darum, wie das Erlebnis zu einer weniger allgemeinen und sehr  persönlichen Erfahrung wird.

6. Wie sieht ein idealer Reisetag aus?

Stellen wir uns einmal einen Slow Travel-Reisetag vor: Am ersten Tag wacht man morgens an einem neuen Ort auf und genießt das Gefühl, dass man nicht schon in wenigen Tagen zurück muss. Nach einem gemütlichen Frühstück liest man vielleicht ein Buch, geht wieder ins Bett, die Kinder erkunden derweil die Ferienwohnung oder man erkundet gemeinsam die nähere Umgebung. Völlig ausgeruht, entdeckt man einen Flohmarkt, der ausgerechnet an diesem Tag stattfindet. Normalerweise verpasst man solche Gelegenheiten, da die begrenzten Tage voller berühmter Museen und Sehenswürdigkeiten sind und nicht viel Zeit bleibt, um abseits der Touristenpfade unterwegs zu sein. Aber wenn zwei Wochen Zeit ist, kann man auch an einem anderen Tag in die Museen gehen. Die Zeit auf dem Markt ist zum Genießen da, zum Üben der Sprachkenntnisse und zum Kontakt mit den Anbietern. Vermutlich lässt sich auch das ein oder andere einzigartige Souvenir entdecken, welches in typischen Souvenirläden nie zu finden gewesen wäre.

Hört sich gut an, oder?

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